Read Wenn Venedig stirbt: Streitschrift gegen den Ausverkauf der Städte (Sachbuch) by Salvatore Settis Online

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Kein europ isches Land hat ein so immenses kulturelles Erbe wie Italien, kein Land solche Schwierigkeiten im Umgang mit diesem Erbe Salvatore Settis, emeritiert und frei von allen akademischen Zw ngen, ist in den letzten Jahren zum guten Gewissen dieses Landes geworden Immer wieder stellt er bohrende Fragen Wie gehen die Italiener mit ihren Sch tzen um, und was machen wir Europ er mit unseren kulturellen G tern Venedig mit seiner einzigartigen Architektur, Geschichte und geographischen Lage, aber auch Venedig als Ausbund der Kommerzialisierung dieser Einzigartigkeit nimmt Settis als Ausgangspunkt f r universelle berlegungen Gibt es so etwas wie die Seele einer Stadt Und was ist das Die Eigent mlichkeit, die Geschichte, die Einwohner Warum geh ren Wolkenkratzer zu New York, aber nicht nach Venedig Muss man St dtesch nheit als Weltkulturerbe konservieren, oder brauchen St dte eine kreative Zerst rung Wie steht es mit dem Recht auf Stadt Wie mit den Rechten der zuk nftigen Generationen Ein fulminantes Pl doyer f r die lebendige Stadt der Zukunft geschrieben mit gro er Autorit t und umfassenden Kenntnissen, mit ganzem Herzen und voller Elan...

Title : Wenn Venedig stirbt: Streitschrift gegen den Ausverkauf der Städte (Sachbuch)
Author :
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ISBN : 3803136571
ISBN13 : 978-3803136572
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : Wagenbach, K Auflage 1 15 September 2015
Number of Pages : 160 Seiten
File Size : 875 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Wenn Venedig stirbt: Streitschrift gegen den Ausverkauf der Städte (Sachbuch) Reviews

  • aus-erlesen
    2019-04-04 01:06

    Die Deutschen sind immer noch Reiseweltmeister. Wann immer es Zeit und Geldbeutel zulassen, sind wir gern bereit unsere Euros Händlern, Reiseveranstaltern, Restaurants gegen Service zu überlassen. Wir erkunden die Welt in Frankreich, Ägypten, den USA, Fernost, der Türkei oder Italien.Wenn wir schon bei oder in Italien sind: Stellen Sie sich vor, Sie hätten jeden Tag zwei neue Gäste. Egal, ob werktags oder sonntags, ob feiertags oder langes Wochenende. Und die stapfen 24 Stunden am Tag durch ihre heimischen Gefilde. Fassen da was an, nehmen dort ein Souvenir. Einzig allein, dass sie bei Ihnen zuhause mehr Geld lassen als anderswo, lässt sie die Situation halbwegs erträglich erscheinen. Und mehr als erscheinen ist es nicht. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr dasselbe Prozedere. Venedig hat sich in sein Schicksal ergeben. Die Stadt lebt mit und vor allem von den Touristen. Neuerdings können die sogar vom Frühstückstisch aufstehen und direkt, ohne großes Palaver Markusplatz und Dogenpalast erobern. Tonnenweise Tennissocken, den Kopf hoch erhoben gen Selfie-Stick toben sie gemächlich durch die Stadt, die immer noch vom Ruf als romantische Stadt lebt. Sieht so Romantik aus? Was passiert mit dem historischen Erbe, über das die Lagunenstadt zweifelsohne verfügt?Salvatore Settis sieht Venedig exemplarisch für den Ausverlauf der Kultur. Wenn Touristen aus ihrem wohlverdienten Urlaub zurückkehren und nicht mehr Bilder zeigen, sondern ihre Schnäppchen präsentieren oder meinen, dass zwei Stunden vollkommen ausreichen, um die Kloake Venedig über Gebühr mit ihrer Anwesenheit beehrte haben, dann kann man nicht mehr von einem Kulturerlebnis sprechen. Salvatore Settis beklagt, ja klagt schon fast an, den Ausverkauf der Städte.Dabei beginnt alles schon uns vor der Haustür. Eine Häuserzeile – vielleicht Jahrhunderte alt – muss Neuem weichen. Wer aufmerksam die Stadtentwicklung egal wo auf der Welt verfolgt hat, weiß schon, welche Läden da als nächstes stehen werden. Eine eigene Identität weicht Konformität. Und dann ist es wirklich egal, ob der Pappbecher mit dem brühend heißen Kaffee, der in Sydney genauso schmeckt wie in Castrop-Rauxel, nun zwischen altehrwürdigen Gemäuern geschlürft wird oder an einem Stehtisch.„Wenn Venedig stirbt“ – bleiben wir bei der Frage. Dann gibt es anfangs ein Riesengeschrei, doch schon kurze Zeit später werden andere Städte, die jetzt schon in den Startlöchern sitzen, versuchen dessen Platz einzunehmen. Ein kulturelles Erbe ist dann nur noch im Museum zu besichtigen. Und das hat, um überhaupt den Hauch einer Überlebenschance zu haben, einen Museumsshop. Was sollen wir nun machen? Venedig links liegen lassen? Es ignorieren? Nur damit die Venezianer sich in Ruhe mal wieder auf ihr Erbe besinnen können und sich ein neues Marketingkonzept ausdenken. Da ist es schon wieder: Marketing. Neue Märkte erschließen. Es gibt keine endgültige Antwort. Aber Salvatore Settis ist endlich einer, der die richtigen Fragen stellt.

  • Jules Barrois
    2019-04-21 00:58

    Es gibt viele Städte, die wegen ihrer Einzigartigkeit einen Absolutheitswert haben, der als solche beibehalten werden sollte. Oder möchten Sie, dass unsere Welt ihrer letzten Juwelen beraubt wird? Der Autor, ein berühmter Archäologe und Kunsthistoriker, hat Venedig als Modellstadt ausgesucht. Ähnliches ließe sich über viele andere Städte sagen, wie Athen, Rom, Paris u.a.Salvatore Settis zeigt auf, dass die Verschlechterung der Stadt auf viele Weisen geschieht. Und dabei ist die physische noch nicht mal die Schädlichste: die Erosion der Ufer, verpasste Ausgrabungen von ihren Kanälen, schlechte Wartung des Putzes von außergewöhnlichen Gebäuden, das Salzwasser. Settis gräbt tief in den Abgründen.Er kümmert sich auch um die massive Abwanderung der Einwohner, besonders die der letzten Generation, die nicht in der Lage ist, die Wohnungspreise, angetrieben durch ungerechtfertigte Spekulationen, zu bezahlen. Am 30. Juni 2014 hatte Venedig noch 56.684 Einwohner, die Hälfte als noch im Jahr 1971 (108.426). Folge: das hohe Alter der Bewohner. Dafür steigt die Zahl der Touristen Jahr für Jahr. Die Zahlen für das Jahr 2014 sagen, dass mehr als 25 Millionen Touristen kamen. Wo ist dann noch der Unterschied zwischen Einwohnern und Touristen? Er beschäftigt sich mit den Kreuzfahrtschiffen, die mit laufenden Motoren in der Lagune liegen und jedes Gebäude überragen. Zuletzt und vielleicht am schwerwiegendsten ist die Gesetzlosigkeit und Korruption, die die Untersuchung der Finanzpolizei aufdeckte.Aber Venedig ist nicht nur Korruption, scheint Settis sagen, und seine Menschen sind nicht nur Touristen. Nein, es ist ein Organismus, in dem lebendiges Blut fließt. Ein lebender Organismen aus Seele und Körper, wobei Körper und Seele nicht trennbar sind. Und Salvatore Settis zeigt uns nicht nur eine Liste von ernsthaften Krankheiten, an denen Venedig leidet. Er zeigt auch Möglichkeiten auf. Die Stadt muss ihre immerwährende Rolle, nämlich die einer Stadt der Vergangenheit, die immer in die Zukunft geschaut hat, fortzusetzen.Die beiden wichtigsten Themen in diesem Buch von Salvatore Settis sind: die Krise der historischen Städte und die Gefahr des Verschwindens wie Venedig als eine kulturelle Einheit. Venedig stirbt, wenn es die Erinnerung an sich verliert. Und wenn Venedig stirbt, kann alles sterben, sagt Salvatore Settis.Für die Venezianer, und auch für die Bürger der Welt ist es eine wichtige Aufgabe und eine große Verantwortung zu zeigen und zu beweisen, dass Vielfalt und Schönheit nicht ein Erbe der Vergangenheit sind, sondern ein außergewöhnliches Geschenk für die Gegenwart und eine außergewöhnliche Möglichkeit die Zukunft zu bauen und zu sichern ... denn, wenn Venedig stirbt, stirbt nicht nur Venedig, sondern es stirbt auch die Idee der Stadt, als offener und vielfältiger Bereich des gesellschaftlichen Lebens, als Schöpfung der Zivilisation, als Verpflichtung und Versprechen der Demokratie.Der Reichtum und der Charme der Inhalte, die der großen philosophischen und literarischen Zitaten, machen dieses Buch zu einem einzigartigen Werk in den jüngsten Veröffentlichungen über die Lagunenstadt. Ein Buch, das mit besonderer Aufmerksamkeit und viel Nachdenken gelesen werden sollte.Es sind nur 154 Seiten, aber selten ist soviel Weisheit auf so kleinem Raum enthalten. Es ist eine alarmierende, eine leidenschaftliche Anklage gegen den falschen Glanz des Mythos von der neoliberalen Modernisierung.Und diese Anklage können wir auch auf unsere eigene Stadt beziehen. Das macht das Buch für jeden mit offenem Auge so lesenswert.

  • Lesefreund
    2019-04-17 00:09

    Wenn Venedig heute besehen wird, gibt es zwei "Möglichkeiten"... Die, durch den "Marktpreis" einer Stadt, die durch "Geschichte" seinen Namen erlangte und somit auch seinen "Preis" - und jene der Menschen, die noch versuchen, in einer Stadt, die immer mehr einem Disneyland ähnelt, die theater-ähnlich vegetiert, zu überhöhten Preisen Milch, Wurst, Fleisch,Brot zu kaufen. Die Verschleuderung von Geldern (Siehe M.O.S.E.) die anderswo gut verwendet werden hätten können, wird ebenso angeprangert wie die dümmliche Gern-Aussage, dass Venedig ohne Tourismus tot wäre..(Wir sind alle Touristen, wo wäre Venedig ohne uns... etc. p.p.) In diesem Buch wird kritisch mit den Äusserungen auch der italienischen Regierung zum Thema "Vermarktung" umgegangen. Auch unter dem Aspekt des erträumten "Wolkenkratzergürtels" rund um den Centro storico, den "Verkauf von Inseln" und die Errichtung von Theme-Parks. So kommt man zum Schluss, weshalb Venedig von ursprünglich 130.000 Einwohner auf 55.000 (Tendenz fallend) abgesunken ist. Gerade beim Lesen dieses Buches - und der katastrophalen Visionen, was "Tourismus" hier noch bewerkstelligen könnte, entsetzt man sich, dass ein le corbusier-Plan für ein neues Hospital vor nicht allzuvielen Jahren abgelehnt wurde... Zu teuer,.... zu modern....