Read Kosmopolitismus ohne Illusionen: Menschenrechte in unruhigen Zeiten (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) by Seyla Benhabib Online

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Auch wenn globale Menschenrechte mittlerweile zum Standardrepertoire des politischen Diskurses geh ren, ist ihre philosophische Rechtfertigung nach wie vor umstrittenes Gebiet W hrend zum Beispiel die einen sagen, Menschenrechte seien das trojanische Pferd, mit dem der Westen seinen neoliberalen way of life in alle Welt zu exportieren trachtet, verbinden andere mit der Idee einer Weltb rgerschaft mit verbrieften Rechten einen unzul ssigen Eingriff in die Souver nit t demokratischer Staaten Seyla Benhabib entwickelt in ihrem Buch ein diskursethisches Instrumentarium, um solche falschen Gegens tze zu berwinden Anhand zahlreicher Beispiele Kopftuchstreit, Fl chtlingspolitik, humanit re Interventionen zeigt sie Wege zu einem engagierten, kontextsensitiven demokratischen Kosmopolitismus jenseits von Interventionismus und Indifferenz....

Title : Kosmopolitismus ohne Illusionen: Menschenrechte in unruhigen Zeiten (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
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ISBN : 3518297651
ISBN13 : 978-3518297650
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : Suhrkamp Verlag Auflage Originalausgabe 14 November 2016
Number of Pages : 281 Seiten
File Size : 769 KB
Status : Available For Download
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Kosmopolitismus ohne Illusionen: Menschenrechte in unruhigen Zeiten (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) Reviews

  • Hans-Uwe Rösner
    2019-01-14 10:57

    Die in diesem Band versammelten neun Aufsätze wurden über einen Zeitraum zwischen 2006 und 2015 verfasst. Sie wurden für diesen Sammelband überarbeitet. Benhabib vertritt einen heute gegen viele Widerstände von links und rechts zu verteidigenden kosmopolitischen Ansatz, den sie wie folgt definiert: „Für mich beinhaltet der Kosmopolitismus die Anerkennung, dass Menschen moralische Personen sind, die in gleicher Weise Anspruch auf rechtlichen Schutz haben, und zwar auf Grund von Rechten, die ihnen nicht als Staatsbürger oder Mitglieder einer ethnischen Gruppe zukommen, sondern als Menschen als solche.“In 1 „Einleitung: Kosmopolitismus ohne Illusionen“ gibt Benhabib einen Überblick über die einzelnen zu Kapiteln zusammengefügten Aufsätze. Ihre Grundhaltung lautet: „Die Positivierung der Menschenrechte in Form von transnationalen Menschenrechten ist ein Novum in der Weltpolitik, das die Bedeutung der staatlichen Souveränität verändert. Es wäre ein Fehler, die emanzipatorischen Potentiale zu ignorieren, die von diesen Veränderungen ermöglicht wurden.“ (8)Nachdem Benhabib vier Varianten des Universalismus vorgestellt hat, wirbt sie in „Ein anderer Universalismus“ dafür, „sowohl in Bezug auf die Strategie der Rechtfertigung von Menschenrechten als auch auf deren Inhalt vom Minimalismus Abschied zu nehmen und zu einem robusteren Menschenrechtsverständnis unter dem Aspekt des ‚Rechts, Rechte zu haben‘ überzugehen.“ Darunter versteht sie, eine Person unabhängig von Staatsbürgerschaft als Person anzuerkennen, die Anspruch auf Schutz ihrer Rechte hat.In 3 „Gründe nennen und Rechte beanspruchen: Die Konstruktion des Rechtssubjekts“ und 4. „Gibt es ein Menschenrecht auf Demokratie?“ kritisiert sie u.a. an John Rawls, er habe in „Das Recht der Völker“ den kantischen Kosmopolitismus aufgeweicht. Er wähle eine staatszentrierte und keine kosmopolitische Perspektive. Sie umreißt demgegenüber ihren diskurstheoretischen Ansatz der Menschenrechte mit dem sie begründet: „Wir haben moralische Verpflichtungen gegenüber allen Wesen, die wir durch unser Tun oder Nichttun verletzen und denen wir schaden können“.In 5 „Menschenrechte jenseits nationaler Grenzen?" vertritt Benhabib die Ansicht, „dass die Entwicklung der globalen Zivilgesellschaft seit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte den Weg von internationalen zu kosmopolitischen Normen der Gerechtigkeit nimmt.“ Sie führt hier den Begriff „Jurisgenerativität“ ein, der ursprünglich von Robert Cover stammt. "Damit ist gemeint, dass mit dem Recht die Fähigkeit verbunden ist, ein normatives Bedeutungsuniversum zu erzeugen, das sich von der ‚Herkunft formaler Gesetzgebung‘ oft freimachen kann, wodurch Sinn und Reichweite des Rechts selbst ausgeweitet werden."In 6 „Dämmerung der Souveränität oder das Aufstreben kosmopolitischer Normen?“ wirft Benhabib die Frage auf: Ist „die postwestfälische Rechtsprechung, auf die wir uns augenscheinlich zubewegen und die auf dem Niedergang des Nationalstaats und der Dämmerung der Souveränität basiert, eine fortschrittliche Entwicklung, wenn man sie vom Standpunkt der Menschenrechte und der Staatsbürgerschaftspraxis betrachtet? Oder erleben wir die Ausbreitung eines neoliberalen Imperiums, dem der Menschenrechtsdiskurs lediglich als Schutzschild oder Trojanisches Pferd dient, um die neoliberale Ökonomisierung und Monetarisierung in alle Winkel der Welt zu tragen?“In 7 „Demokratische Iterationen und demokratische Exklusionen“ steht der Begriff „demokratische Iteration“ im Zentrum. Damit beschreibt Benhabib, „wie die Einheit und Vielheit der Menschenrechte in starkem und schwachen Öffentlichkeiten umgesetzt und anverwandelt werden, und das nicht nur von Legislativen und Gerichten, sondern oftmals viel effektiver von sozialen Bewegungen, von Akteuren der Zivilgesellschaft und von transnationalen Organisationen, die grenzüberschreitend tätig sind.“ Sie vertritt „den Standpunkt […], dass die demokratischen Iterationen ein normatives Konzept mit empirischer Bedeutung bilden.“Kapitel 8 „Die Wiederkehr der politischen Theologie“ setzt sich Benhabib u.a. am Beispiel des Kopftuchstreits in Frankreich und Deutschland mit Carl Schmitts „Politischer Theologie" mit Blick auf seine Bestätigung in der Gegenwart auseinander. Sie stellt sich die Frage, ob wir es heute erneut mit einer „Dialektik der Aufklärung“ zu tun haben, „nur dieses Mal nicht gegenüber dem Judentum, sondern im Hinblick auf den Islam.In Kapitel 9 „Menschenrechte und die ‚Kritik der humanitären Vernunft‘“ zeigt sie auf, wie die Asylbewerberin, der Staatenlose und der Flüchtling zu „Symbolen wie auch Symptomen“ einer Malaise der Moderne geworden sind. Sie greift damit Themen ihrer Bücher „Die Rechte der Anderen“ (2004) und Kosmopolitismus und Demokratie“ (2006) auf. Mit Blick auf die Menschenrechte warnt sie davor, nicht nur „die Scheinheiligkeiten und Dilemmata der humanitären Vernunft“ kritisch zu beleuchten, vielmehr muss es darum gehen, die mit ihnen verbundene „ausdehnende Bedeutung der Menschenwürde und des ‚Rechts, Rechts‘ zu haben“, ins Auge zu fassen.Auch wenn einem angesichts der gegenwärtigen Weltlage manches wie die Träume einer universalistischen Geisterseherin anmutet, Benhabib hat ein wichtiges Buch in bewegter Zeit geschrieben.