Read Räume des Jubels: Totalitarismus und Differenz. Essays (edition suhrkamp) by Michail Ryklin Online

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Michail Ryklin ist die wohl prononcierteste Gestalt der neuen Philosophie in Ru land In konstruktiv kritischer Aneignung von franz sischer Gegenwartsphilosophie, Psychoanalyse und westlicher Totalitarismustheorie entwickelt er seit den sp ten 80er Jahren eine spezifische posttotalit re Philosophie Im Zentrum steht die kontrastive Analyse der Logiken des Terrors im Nationalsozialismus und in der Stalinzeit Anhand von literarischen, technischen und propagandistischen Texten untersucht Ryklin die Diskurse, die so zentrale sowjetische Topoi wie den Metrobau in Moskau oder die Haussmannisierung der kommunistischen Kapitale begleiten und den Effekt des Jubels Andr Gide erzeugen Jubel ist f r Ryklin das Imagin re in der Zeit des Terrors , Reaktion auf die totale Ungesichertheit des individuellen Lebens W hrend die Aufarbeitung der totalit ren Vergangenheit im heutigen Ru land ein Manko darstellt, sind seine Essays ein mutiger Versuch, an das tiefste soziale Trauma der j ngeren russischen Geschichte zu r hren....

Title : Räume des Jubels: Totalitarismus und Differenz. Essays (edition suhrkamp)
Author :
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ISBN : 3518123165
ISBN13 : 978-3518123164
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : Suhrkamp Verlag Auflage Deutsche Erstausgabe 25 August 2003
Number of Pages : 237 Seiten
File Size : 779 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Räume des Jubels: Totalitarismus und Differenz. Essays (edition suhrkamp) Reviews

  • Literaturclub
    2019-01-12 14:03

    Der Band versammelt ein Dutzend Essays des 1948 geborenen russischen Philosophen Michael Ryklin. Wer sich für die divers nachwirkenden Unterströmungen der totalitären Sowjetunion und des totalitären Nazi-Deutschlands interessiert, für den ist dieser Autor eine faszinierende Fundgrube. Wissenschaftliche Systematik im Sinne von gestriegelter, zu Ende gedachter, also totgeformter Komplexität darf man nicht erwarten. Aber welcher freiwillig Lesende, welcher Anregung Suchende braucht so etwas? Ryklin ist ein wunderbarer Anreger. Die Sprache seiner Untersuchungen ist angemessen geschliffen. Für einen Philosophen streut er vergleichsweise viele Anekdoten und lebhafte kleine Szenen ein, ohne dabei an Ernst zu verlieren. Großartig!, mitreissend! ist der Text über die Kriegserfahrung seiner Mutter - wohl der "beste", reflektierende und kommentierende, aber auch erzählende Text zum Holocaust, den ich kenne. Ryklin denkt über Vergangenes nach und ist immer Gegenwart - in seinen Mitteln, seinen Beispielen, seiner Frische. Wie er Nazismus und Stalinismus vergleicht, nationale, tiefenpsycholgische, auf die Ausprägung der Gewalt bezogene Unterschiede beider Systeme herausarbeitet, hat mich an vielen Stellen überrascht. Wie angedeutet, scheut Ryklin dabei nie den zeitweiligen wissenschaftlichen "Ausstieg", den Querverweis und vor allem den persönlichen Bezug, der alles bereichert und erst wirklich stark macht. Nur ein Beispiel für seine auch im Alltag ansetzende Bohrungen: Auf S.58/59 meiner edition suhrkamp-Ausgabe schreibt er über das seltsame "wechselseitige Nicht-(ganz)-Verstehen" mit westlichen Kollegen, "selbst wenn uns eine gemeinsame Fachsprache und gegenseitige Symapthie verbindet." Und Ryklin scheint: "dass sich dieses wechselseitige Unverständnis unter anderem aus der Dominanz des gewaltsamen Todes in der postrevolutionären sowjetischen Erfahrung erklärt. Ein gewaltsamer Tod hatte dort ganz unbewußt begonnen, als Norm wahrgenommen zu werden; er schien geradezu das Modell für jede andere Todesart zu bilden, während im Westen -ungeachtet aller Kriege und Naturkatastrophen- das Paradigma des natürlichen, biologischen Todes vorherrscht."Werde mehr von ihm lesen.