Read Tagebücher: Les carnets de la drole de guerre: September 1939 - März 1940 (Neue, um ein bisher unveröffentlichtes Heft erweiterte Ausgabe) by Jean-Paul Sartre Online

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September 1939 bis M rz 1940 Der Reservist Jean Paul Sartre, Wetterbeobachter einer Artillerieeinheit, geht seiner Lieblingsbesch ftigung nach Er schreibt T glich bis zu dreizehn Stunden Die stumpfsinnige milit rische Umgebung, in die es den 34j hrigen zu dieser Zeit bereits ein Stern am literarischen Leben verschlagen hat, inspiriert ihn In seinem Tagebuch, dem einzigen, das er je f hrte, notiert er Beobachtungen, literarische Geschichten, philosophische Reflexionen Hier finden wir Keime sp terer Werke, etwa ganze Passagen von Das Sein und das Nichts oder seines autobiographischen Werks Die W rter Die Tageb cher sind das faszinierende Dokument des jungen Genies.Diese Ausgabe enth lt erstmals in deutscher bersetzung auch das bisher verloren geglaubte, k rzlich jedoch wiederentdeckte erste Heft der Carnets....

Title : Tagebücher: Les carnets de la drole de guerre: September 1939 - März 1940 (Neue, um ein bisher unveröffentlichtes Heft erweiterte Ausgabe)
Author :
Rating :
ISBN : 9783499132926
ISBN13 : 978-3499132926
Format Type : Paperback
Language : Deutsch
Publisher : Rowohlt Taschenbuch Auflage 1 1 Oktober 1996
Number of Pages : 656 Seiten
File Size : 683 KB
Status : Available For Download
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Tagebücher: Les carnets de la drole de guerre: September 1939 - März 1940 (Neue, um ein bisher unveröffentlichtes Heft erweiterte Ausgabe) Reviews

  • CVJM
    2019-02-09 15:20

    Literaturkritik: von 1939 bis März 1940 ist Sartre als Soldat im Kriegseinsatz. Zwischen Deutschland und Frankreich herrscht der Kriegszustand.Es kommt in der Zeit aber zu wenigen Kampfhandlungen. Er schreibt dies auch stellvertretend für seine Kameraden. Jeder Soldat könnte mit dem was er aufschreibt gemeint sein. Dazu verfasst er in dieser Zeit auch viele Briefe.Sartre schildert sehr genau das Verhalten der Soldaten,untereinander beschreibt dies sehr deutlich und auch wie sich die Kameraden äußern.Einer musste das alles aufschreiben und Sartre fühlte sich dazu berufen. Er schreibt aber nicht nur über seine Kameraden,sondern auch über das Verhalten der Offiziere. Dies alles geschah weit ab von einem normalen Verlauf eines Lebens. Junge Menschen wurden von heute auf morgen in den Krieg geschickt,weil bestimmte Kräfte das so wollten. Moral und Infragestellung kam da nicht infrage.Nicht in dieser Totalität. Sartre schrieb dies vor allem für seine Kameraden.Hier ein kleiner Passus aus dem Tagebuch:HerbstDie Blätter fallen,wir werden fallen wie sieDie Blätter sterben,weil Gott es willWir aber werden fallen,weil die Engländer es so wollenIm nächsten Frühling wird keiner sich mehr erinnern,nicht an die toten Blätter und nicht an die gefallenenSoldaten,das Leben geht über unsere Gräber hinweg.Dieser Text ist auf ein blattförmiges gezacktes Stück Papier gedruckt,mit Adern und von einer schönen Rostfarbe. Es ist ein Flugblatt,dasdeutsche Flugzeuge dort abgeworfen haben.Unter dem Text ein Totenkopf mit einem Helm.Sartre hielt somit geschichtlich Vorgänge genau fest.Seine Tagebücher sind Zeugnisse der Ereignisse.Er schreibt aber auch von den Selbstzweifeln. Von der Schuld am Krieg. Der Schuld jedes Einzelnen.Er schreibt von der Verantwortung des Menschen. Liebe und Freundschaft sind weit entrückt. Sartremöchte dem Leser vieles in das Bewusstsein rücken.Sie sollen erfahren,wie alles in Wirklichkeit gewesenist. Ein sehr lesenswertes Tagebuch von Sartre.Sollte zur Schullektüre gehören.Fünf Sterne für dieses Buch von Sartre.

  • Gunthard Heller
    2019-02-14 14:12

    Sartre hat seine Tagebücher im Hinblick auf die Veröffentlichung geschrieben, was sie unecht macht. Besonders die ontologischen Passagen wirken wie Fremdkörper. Doch man erfährt über ihn vieles, was über die Briefe und "Die Wörter" hinausgeht. Das macht die Lektüre unverzichtbar.Man lernt Sartre als imperialistischen Menschen kennen - er konnte schlecht zuhören, spielte mit andern Komödie, war sich selbst genug, hielt nur Frauen für begehrenswert, auch für Frauen, mochte keinen männlichen Mann, log, ärgerte sich nie, war vom Rauchen abhängig, hielt Gedichte für obszön, lehnte Besitz ab, stahl, wenn er gerade kein Geld hatte, rang um Authentizität, war vom eigenen Tagebuch angewidert, hielt sich für häßlich, wurde von seinen Lügen verfolgt …

  • Adam
    2019-02-05 16:10

    In der Zeit vom November 1939 bis März 1940 befindet sich Sartre als Soldat mit seiner Einheit wechselweise in Morsbronn, Brumath und Bouxwiller. Es ist die Zeit des Drole de Guerre, Frankreich befindet sich zwar im Krieg mit Deutschland, jedoch finden keine wesentlichen Kampfhandlungen statt. In dieser Zeit verbringt Sartre täglich effektiv acht bis neun Stunden mit Schreiben und insgesamt zehn bis elf Stunden mit Lesen und Schreiben (S.101ff). Das Tagebuch gibt ihm einen Sinn für Geschichtlichkeit. An einigen Stellen setzt Sartre sich mit dem Tagebuchschreiben auseinander und vergleicht seine Praxis mit der von Gide. Auch das Briefeschreiben analysiert er.Im Tagebuch berichtet Sartre über seine Kameraden, analysiert und deutet sie, sich und ihr bzw. sein Verhalten und erörtert Diskussionen mit ihnen. So analysiert er beispielsweise seine Diätanstrengungen (S.182), die Tatsache, dass er sich zum Gewissen seiner Kameraden aufgeschwungen hat und die Versuche der Selbsttäuschung, die er aus Eitelkeit und Hochmut begeht (S.487ff). Zudem erörtert Sartre Begebenheiten (z.B. die Musterung oder die Plünderung evakuierter Gebiete), analysiert Identitäten und Seinsweisen (z.B. die des Elsässers, der Lehrers (S.247), des Vorgesetzten, des Sozialisten oder überhaupt des Militärischen (S.419ff.)), ihre und seine eigene Soziologie und sein Verhältnis zu Eigentum und Geld (S.353ff.).a.) Zuweilen wird Sartre autobiographisch. So erinnert er sich an religiöse Praktiken, an seine Zeit an der ENS, erörtert seine philosophischen Einflüsse (Husserl, Heidegger (S.266ff.)), seine Beziehungen zu Frauen und Männern (S.390ff), seine Freundschaften oder seine Neigung zum Selbstbild verkannter und rehabilitierter Größe.Biographisch befasst sich Sartre mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II (S.426ff/459ff).b.) Philosophisch setzt sich Sartre z.B. mit dem Willen und seiner Schwäche auseinander (S.188), mit der Authentizität (S.317ff.) und Reinheit, mit dem Leben und seiner Beziehung zur Kunst, mit der Moral (S.159), der Freiheit, dem menschlichen Dasein, seiner Faktizität und dem Bewusstsein. Er schreibt über Angst (S.196ff.), das Nichts (S.256ff), den Ekel, das Loch (S.221), die Zeit (S.304ff), den Krieg (S.321ff), das psychophysische Verhältnis (S.332ff), den Mangel (S.335f.), das Begehren (S.346ff.), Eigentum, Liebe und Geliebtwerden (S.370ff.), den Ernst (S.471ff.) und geschichtsphilosophisch über die Erklärung geschichtlicher Ereignisse (S.426ff.).c.) Literaturtheoretisch befasst sich Sartre mit Cassous "48" und Gides Tagebüchern, mit Larbauds "A.O. Barnabooth (S. 209ff.), mit Emil Ludwigs "Wilhelm der Zweite" (S.426ff.) und mit dem Journal von Renard (S. 500ff.). Zudem verreißt er Flauberts "Education Sentimentale" übergenau (S.150ff.).Zuweilen zeigt Sartre Humor. So schildert er eine kleine Inkonsequenz bei seiner Diät, für die er von seinen Kameraden geneckt wird (S.204) und die auch beim Leser ein Lächeln erzeugt.Sartres Tagebuch ist kein Buch der intimen Geständnisse und Offenbarung privater Geheimnisse. Sartre schreibt auch nicht alles minutiös nieder. Das Tagebuch ist als öffentliches Werk konzipiert. Gleichwohl gibt das Buch mitunter Einsicht in seinen und den allgemein menschlichen Charakter, etwa wenn er über so genannte "Schweinereien" schreibt - Strategien der Selbsttäuschung im Namen von Hochmut und Eitelkeit (S.487ff.) und die Kunst sich Entschuldigungen zu basteln (S.203).Fazit: Das Tagebuch ist eine Melange aus Analysen rund um sich und seine Kameraden und Erörterungen biographischer, philosophischer und literaturtheoretischer Art.