Read Das Kraus-Projekt by Jonathan Franzen Online

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Jonathan Franzen hat schon oft gezeigt, wie viel ihm deutsche Sprache und Literatur bedeuten Jetzt hat er sich mit einem weiteren Helden seiner Deutsch Lekt ren befasst, dem Sprach und Kulturkritiker Karl Kraus 1874 1936 , einem der bedeutendsten sterreichischen Schriftsteller des beginnenden 20 Jahrhunderts, so scharfsichtig und scharfz ngig wie kein anderer seiner Zeit Vor etwa 100 Jahren prangerte er in seiner Zeitschrift Die Fackel den Einfluss der Massenmedien an, kritisierte die entmenschlichenden Folgen von Technik und Konsumkapitalismus sowie die chauvinistische Rhetorik in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis in die Weimarer Republik Aber obwohl er gl hende Anh nger hatte, darunter Franz Kafka und Walter Benjamin, blieb er ein einsamer Prophet, und heute sind seine Schriften nur noch Wenigen bekannt Mit seinem Kraus Projekt versucht Jonathan Franzen, das zu ndern Er versammelt die aus seiner Sicht bedeutsamsten zwei Aufs tze des Wiener Polemikers und hat sie unterst tzt von Daniel Kehlmann und dem Kraus Experten Paul Reitter auf Aufsehen erregende Weise, n mlich sehr pers nlich kommentiert So erf hrt der Leser nicht nur Wesentliches ber den literaturhistorischen Hintergrund, sondern erh lt auch Hinweise zum Verst ndnis der komplexen Texte und neue Einblicke in Franzens Denken, Leben, Werk....

Title : Das Kraus-Projekt
Author :
Rating :
ISBN : 3498021362
ISBN13 : 978-3498021368
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Rowohlt Buchverlag Auflage 2 28 November 2014
Number of Pages : 186 Pages
File Size : 665 KB
Status : Available For Download
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Das Kraus-Projekt Reviews

  • StevenStone
    2018-12-24 15:57

    Der amerikanische Romancier Franzen ist in Deutschland sehr erfolgreich. 2013 hat er sein „Kraus-Projekt“ veröffentlicht, das ein Jahr später in deutscher Übersetzung von Bettina Abarbanell erschien. Welcher Art Franzens besondere Beziehung zu Karl Kraus ist erfahren wir dort nebenbei. Dass ein Vertreter epischer Breite und ruhigen naturalistischen Erzählstromes, als dessen Kollegen man Autoren wie Richard Ford, John Updike, Tom Wolfe und andere Amerikaner sehen kann, sich für das Wiener Schandmaul und den einsam-einzigartigen Kulturkritiker Karl Kraus interessiert, ist spannend. Das Projekt präsentiert zwei Texte von Kraus, die 1910 und 1912 veröffentlicht, auch in seinen berühmten Lesungen vorgetragen und später nochmals in der „Fackel“ nachgedruckt wurden: „Heine und die Folgen“ sowie „Nestroy und die Nachwelt“. Diese Texte als Nicht-Muttersprachler des Deutschen ins Englische zu übersetzen, ist eine Leistung. Franzen hat es als Stipendiat in seiner Studentenzeit in Deutschland gemacht. Nach mehreren hocherfolgreichen Romanen und aus der Position des geachteten und versierten intellektuellen Schriftstellers von über 50 Jahren hat er sich nun auf diese Jugendliebe besonnen. Sein Buch montiert die Kraustexte und seine Kommentare, die den Umfang der Orginaltexte weit übersteigen, zusammen. Die Anordnung dieser Montage kann man als Kompromiss betrachten. Der kleinere Kraus-Text läuft im oberen Teil der Seiten mit reichlichen „Fußnoten“-Indices. Die entsprechend nummerierten Franzen-Erläuterungen nehmen meist den größeren Rest der Seite ein. Durch die Länge der Kommentare wird der Kraustext oft zerrissen, sodass man mehrere Seiten weiter blättern muss, um wieder den Anschluss zu finden. Insofern wird das Lesen ein wenig wie die Echternacher Springprozession. Man läuft vor und zurück. Der längere Text, dem man sich anschließen möchte, ist der Franzens. Der aber beschäftigt sich mit dem Krausschen. Also sucht man die entsprechende Ziffer im Orginaltext. Einmal in den schwierigen Kraustext eingelesen, will man ihn bei der nächsten „Fußnote“ nicht gleich wieder verlassen, sondern seinen Gedanken folgen. Irgendwann ist es dann Zeit wieder zu den Erläuterungen Franzens zu wechseln. Aber das sind formale Dinge, die man bewältigen kann. Vielleicht haben andere Leser weniger Schwierigkeiten als ich sie hatte. Aber zum Eigentlichen. Die Beschäftigung mit Kraus ist anstrengend und lohnend. Es ist ein Intensivpraktikum der vorletzten Jahrhundertwende, genauer der Jahrhundertwende und der Zeit um den 1.Weltkrieg in Wien. Es ist schwer genug, der Diktion Kraus`zu folgen, schon rein syntaktisch-semantisch. Ohne die ausgezeichneten zeitgeschichtlichen Erläuterungen, die Fülle der vorgestellten Namen, Ereignisse, Fehden, zeitbedingten Aufregungen und die Erklärung literarischer Bezüge, die Franzen gibt, wäre der Kraustext für den Laien kaum lesbar. Unterstützung findet Franzen durch den Kraus-Kenner Paul Reitter und Daniel Kehlmann. Das schwüle, kriegslüsterne, chauvinistisch-antisemitischen und nationalistische Klima der Zeit wie es sich in Wien verdichtete, ist eines. Franzen schlägt von dieser von Kraus protokollierten Wendezeit einen weiten Bogen zu unseren hundert Jahre jüngeren Torheiten und Obzessionen und sieht eine Menge Gemeinsamkeiten. Einseitigkeit und Furor der Medien, Suche nach einfachen Lösungen, politische Polarisierung, Ikonisierung und Dämonisierung von Persönlichkeiten, dumpfer Eigennutz und Blindheit für Alarmzeichen.Das ist ein großes Thema. Man mag nicht entscheiden, ob Franzen hier, die amerikanische Wirklichkeit vor Augen, zu sehr in Kulturpessimismus abdriftet und zu sehr die Kassandra gibt. Er selbst nutzt die Chance, die Verdikte und Bosheiten Kraus`etwas zu relativieren.Er verrät uns die genaueren biographischen Umstände seiner Bekanntschaft mit Kraus. Sich nicht schonend schildert er sich als nach Berlin versprengten, von maßlosem literarischen Ehrgeiz erfüllten, einsamen Wolf, dessen Heulen an die Geliebte leider nur brieflich zu Gehör gebracht wurde. Sie blieb in New York. Geschildert wird eine vom Über-Ich geleitete, ziemlich verkopfte Beziehung mit erheblichen libidinösen Defiziten, die für die Zukunft nichts Gutes erwarten lässt. In dieser schwierigen Situation, die ihn an den Rand einer psychotischen Krise führte, brauchte er als Unterfütterung seiner „Zorniger-junger-Mann-Pose“ die Kraussche Weltverachtung und sein satirisches Gift. Diese biographisch-intime Wendung im „Kraus-Projekt“ verblüfft ein wenig und füllt bis zum nächsten Kraus-Kommentar oft viele Seiten. Sie dehnt und strapaziert das Projekt ein bisschen und überrascht mit ihrer Privatheit. Aber ein solches Bekenntnis zeugt natürlich auch von Aufrichtigkeit und ist berührend. Spätestens jetzt wird ein archetypisches Beziehungsschema als sehr bedeutsam und – wie auch anders – auch biographisch gespeist sichtbar, das in den Romanen „Freiheit“ und „Unschuld“ eine tragende Rolle spielt. Wer Franzen und seine Romane mag, und das sind viele, sollte sich auch dem Krausprojekt verschreiben. Manche werden durchkommen.

  • Dr.Peter Pernthaler
    2019-01-04 08:24

    Interessant sind nicht nur die fachkundigen Erläuterungen zu den beiden heute kaum mehr bekannten Texten von Karl Kraus. Ohne diese Erläuterungen sind die Texte, die sehr viele Namen und zeitgeschichtliche Anspielungen enthalten, kaum mehr verständlich. Noch vielmehr hat mich aber die intensive Verknüpfung der Texte mit der jugendlichen Biographie von Franzen selbst angesprochen, die den Autor als zornigen, aber begeisterten jungen Dichter mit intensiven Beziehungsproblemen zeigen. Grossartig, wie alles von Franzen !

  • jhsoft
    2018-12-22 16:08

    Diese Bewertung bezieht sich nur auf die technische Umsetzung des eBooks, da ich den Kauf schnell rückgängig machen musste und somit keine Aussagen zum eigentlichen Werk machen kann.