Read Apollokalypse: Roman by Gerhard Falkner Online

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Georg Autenrieth ist eine zwielichtige Gestalt Immer wieder taucht er auf in Berlin, h lt Kontakt mit der Szene, durchsucht die Stadt und zelebriert Laster, Lebensgier und Liebeskunst Wohin aber verschwindet er dann Wer ist der Glasmann Und welche Rolle spielen seine Verbindungen zur RAF Gerhard Falkners Apollokalypse ist ein Epochenroman ber die 80er und 90er Jahre Dem Vergeuden von Jugend, der Ausschweifung und der Hypermobilit t stellt er einen rauschhaften R ckverzauberungsversuch entgegen Ein mythologischer Roman von unvergleichlicher Sprachm chtigkeit....

Title : Apollokalypse: Roman
Author :
Rating :
ISBN : 3492311865
ISBN13 : 978-3492311861
Format Type : Audio Book
Language : Deutsch
Publisher : Piper Taschenbuch 12 Januar 2018
Number of Pages : 432 Seiten
File Size : 978 KB
Status : Available For Download
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Apollokalypse: Roman Reviews

  • M. Lehmann-Pape
    2019-03-22 03:28

    Es sind die Zeiten Mitte der 80er Jahre. RAF noch hoch aktuell, Kalter Krieg, Berlin, Kreuzberg (aber auch ein kleiner Abstecher nach Amsterdam ist für Protagonisten drin).„Beide waren sie ganz und gar Vertreter dieses neuen Typs junger Männer…… Mit Vorsprung auf die Welt gekommen. Söhne, Erben, Luxusausführungen mit Sonderausstattung“.Die beiden engeren Bekannten des nicht richtig greifbaren Georg Authenrieth, aus dessen Perspektive Falkner dieses „Streunen durchs Leben“ jener gesellschaftlichen Gruppe und jener Zeit erzählt.Sex, das Wichtigste. Drogen zudem. Irgendwie „Kunst“ sein, das vor allem. In einem Kreuzberg, dass noch ein „dunkles Loch“ war. Als die Luft an nicht wenigen Orten in Berlin noch wie ein „von der Braunkohle gesüßter Frühlingstag“ war.Als Isabel, Kunststudentin im dritten Semester nach Berlin kommt und Büttner (einer der beiden Freunde) unrettbar sich „verliebt“, was vor allem heißt, „Bella“ unbedingt „haben zu müssen“.Was vergehen wird.Wie so viele Personen im Roman auftreten, ein wenig auch vom Hintergrund erzählt wird, dann aber auch durchaus wieder, teils auf Dauer, teils für Länger, von der Bildfläche verschwinden, wie eben jene Isabel.„In unserem Leben herrschte damals ziemlich viel Unruhe. Mindestens eben so viel Unruhe wie in den Verhältnissen“.Weswegen Authenrieth auch in Wohnungen anzutreffen ist, deren Schrank nur eine Geheimtür in die nächste Wohnung ist, wo konspirative Treffen stattfinden, wo jeder gegen jeden auch seinen Vorteil such (zumindest auf den oberen Ebenen staatlicher Dienste“ und merkwürdige Konstellationen eintreten können, wer sich da mit wem warum trifft.Wobei Falkner den Ton der Zeit pointiert, massiv steigert und in einer bildkräftigen Sprache sondergleichen den Leser emotional hineinnimmt. Wobei man das dann wirklich mögen muss, diese ständigen Sprachbilder, die ununterbrochen weniger den Roman „voranbringen“ in Richtung eines roten Fadens, sondern eher in die Breite einer Darstellung des Lebens und Lebensgefühls aus vielfachen Perspektiven in sich trägt.„Unsere erste Nacht, in einem nach Schlachtschüssel riechenden Hotel in Tischenreuth, voll mit gutmütig blickenden Wanderern“.Frauen, Abenteuer, verrauchte Clubs, Szene, wo die Nacht zum Tag wird und die Anerkennung von außen fürs „cool sein“ alles an Ziel zu sein scheint, was antreibt.„Ich wollte eine gute Antwort. Die eine, die es herauszufinden galt, die andere, die ich wahrscheinlich zu hören kriegen würde und die dritte, für die ich sie stöhnen sehen wollte“.Nicht immer ist der rote Faden in all dem klar, nicht leicht fällt es, die „Agentengeschichte“, die sich im Roman ergibt, mit all den kleineren und größeren Nebenschauplätzen, im Blick zu behalten und insgesamt, bei aller sprühenden Freude an der Sprache, an der Erzählweise, an den ständigen Bildern, die im Kopf entstehen ist auch nicht alles unbedingt von Nöten, was sich in diesem Roman der „Selbstfindung in Berlin“ findet.Und dennoch findet der Roman ein befriedigendes Ende, in dem die vielfachen Handlungsstränge und auch Personen ein sinnvolles Miteinander ergeben. Und in dem vor allem die psychologisch als „corporate identity“ angelegten Hauptfiguren ihren, im ersten Teil des Werkes eher nur zu ahnenden, inneren Determinationen deutlich näher gekommen sein werden.Eine andersartige, sprachlich überaus anregende und den Ton der Zeit und der Sttadt zu jener Zeit perfekt treffende Lektüre.

  • Borux
    2019-03-06 03:46

    Der vielseitig tätige Schriftsteller Bernhard Falkner hat 2016 mit «Apollokalypse» sein Prosadebüt vorgelegt, ein Epochenroman aus dem Berlin der achtziger und neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, der es auf Anhieb auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 geschafft hat. Der Neologismus seines Titels spiegelt das Schöne und Verführerische in der totalen Zerstörung. Gott seines Romans ist ein zwielichtiger, dionysischer Held, dem nach allmählichem Zerbrechen sämtlicher Illusionen schließlich der Leibhaftige gegenübertritt. Mehr als zehn Jahre, so wird kolportiert, hat der österreichische Lyriker sich Zeit gelassen für seinen Roman-Erstling, dessen beeindruckende Bildermacht und Intertextualität vom Feuilleton zum Teil bejubelt wurde, während Andere jedwede erzählerische Kontinuität vermissen und am Falknerschen «Wortgeschwurbel» zu ersticken drohen. «Meine Vermieterin sagt, dies hier wäre ein schlechter Roman», lässt der Autor mit geheuchelter Selbstkritik seinen Doppelgänger sagen, und er liefert wortreich auch gleich die Gründe dafür mit.«Wenn man verliebt ist und gut gefickt hat, verdoppelt die Welt ihre Anstrengung, in Erscheinung zu treten» lautet symptomatisch der erste Satz des Romans. Georg Autenrieth, eine undurchsichtige Gestalt aus Westdeutschland, ist dem Sog der Metropole erlegen und durchstreift auf der Suche nach Genuss die einschlägige Szene Berlins in der Wendezeit. Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll stehen im Mittelpunkt einer extensiv ausgelebten Lebensgier, die sich völlig unpolitisch gibt, selbst der Mauerfall wird nicht thematisiert. Gleichwohl unterhält der junge Mann scheinbar Kontakte zur RAF und zu den Geheimdiensten beider Deutschlands, - scheinbar, denn wie alles bleibt auch das vage in diesem Roman, der sich immer wieder in Andeutungen verliert. Die Wendepunkte dabei setzten Frauen: «Das Buch Isabel» widmet sich der Geschichte seines manisch-depressiven Freundes Büttner, eines exaltierten Künstlers, dem er die Freundin ausspannt, indem er sie zu einer Reise in die USA einlädt, deren Höhepunkt eine feuchtfröhliche Nacht bei Musik vom Plattenspieler im Amargosa Opera House von Death Valley Junction bildet. Büttner landet in der Psychiatrie und wirft sich später vor den Zug, was bei Autenrieth zu einer Identitätskrise führt, in deren Verlauf er untertaucht, sich als «Glasmann» unsichtbar zu machen sucht. Die zweite Zäsur unter dem Titel «Das Buch Billy» ist dann die leidenschaftliche Affäre mit Bilijana, einer undurchsichtigen Bulgarin, die mit einem deutschen Militärattaché liiert ist. Alle diese zwiespältigen Figuren bewegen sich voller Obsessionen in einem geradezu mythologischen Berlin, welches sie voller burlesk überzeichneter Ausschweifungen rauschhaft erleben, das sie dann aber immer wieder ernüchtert auf sich selbst zurückwirft.Eine den Leser faszinierende Geschichte auszubreiten ist Gerhard Falkners Sache nicht, das Atmosphärische bildmächtig und sprachverliebt in allen seinen Facetten auszubreiten ist schon eher sein Metier, der Lyriker in ihm ist partout nicht zu verleugnen. Dabei stört das vulgär Sexuelle seines narzisstischen Helden mit den multiplen Identitäten, der zuweilen neckisch mit sich selber spricht und als Figur vom Autor selbst kaum noch unterscheidbar ist. Als Poststrukturalist bildet Falkner mit seiner Sprachmacht Realität nicht nur ab, er erschafft sie vielmehr selbst durch seine radikale Abkehr von einer objektivistischen Sicht sozialer oder moralischer Kriterien.Sein Anspielungsreichtum wirkt dabei selbstverliebt überzogen, die Literaturgeschichte wird schon fast parodistisch einbezogen in den schwer lesbaren, diskontinuierlichen Erzählfluss, der heftig zwischen Schein und Sein mäandert. So bleibt dem Leser als Lektürebonus die grandiose Beschreibungskunst des Autors, der mit scharfem Blick hinter die Fassaden Berlins schaut, sein narratives Chaos aber nicht auflöst, der alles in der Schwebe hält bis zum Schluss.