Read Afrika ist das neue Asien: Ein Kontinent im Aufschwung by Christian Hiller von Gaertringen Online

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Deutschlands Perspektive auf den afrikanischen Kontinent ist verzerrt Im Vordergrund stehen Kriege und Krisen, Katastrophen und Krankheiten Doch unbemerkt von der breiten ffentlichkeit erleben viele afrikanische Staaten einen beispiellosen Wirtschaftsboom und Innovationsschub Auf seinen Reisen in viele afrikanische L nder hat Christian Hiller von Gaertringen das Entstehen einer neuen, selbstbewussten Mittelschicht beobachtet Zahllose Start up Unternehmen arbeiten erfolgreich, Ausbildungsverh ltnisse haben sich teils massiv gebessert, und es gibt v llig neue Aufstiegschancen Die deutsche Wirtschaft l uft Gefahr, diesen Aufschwung mit all seinen Chancen auf neue Handelsbeziehungen zu verpassen Ein Pl doyer f r echte wirtschaftliche Zusammenarbeit statt Entwicklungshilfe....

Title : Afrika ist das neue Asien: Ein Kontinent im Aufschwung
Author :
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ISBN : 9783455503234
ISBN13 : 978-3455503234
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH 16 September 2014
Number of Pages : 161 Pages
File Size : 969 KB
Status : Available For Download
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Afrika ist das neue Asien: Ein Kontinent im Aufschwung Reviews

  • Moeletsi
    2018-12-12 16:38

    Das Buch ist bereits 2014 erschienen und ich habe es erst 2018 auf eine Empfehlung hin gelesen. Abgeschreckt hatte mich der abwegige Titel "Afrika ist das neue Asien - Ein Kontinent im Aufschwung". Damals verging keine Woche, ohne dass ein Artikel, ein Buch über die guten Aussichten für Afrika erschienen ist. Afrika träumt von einer Entwicklung wie die erfolgreichen „Tigerstaaten“ Asiens. Sie haben meist ohne Hilfe gleichzeitig in Bildung und in einfache Arbeitsplätze investiert. So fanden viele junge Menschen einfache Jobs. Da wurden T-Shirts genäht, Elektrogeräte oder Schuhe gefertigt. Durch bessere Bildung und Familienplanung gab es später kleinere und gut ausgebildete Jahrgänge. Afrika hingegen liefert immer noch vor allem billige Rohstoffe an den Rest der Welt. Selbst die sogenannten „traditionellen afrikanischen“ Stoffe stammen vorwiegend aus Asien.Seit Erscheinen des Buches sind fast 4 Jahre vergangen und der "Aufschwung" müßte erkennbar sein. Der Autor schreibt "Der Kontinent hat optimistische Konsumenten und Millionen ehrgeiziger Arbeitskräfte. Der Kontinent bekommt die politische Stabilität und rechtliche Zuverlässigkeit, die den notwendigen Rahmen für einen dauerhaften Aufschwung der Wirtschaft schaffen" (S.13). Richtig ist, dass seit Jahren die mangelnde Rechtstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung die größten Standortnachteile geblieben sind. Fast alles ist mit Geld zu regeln, eine unabhängige Justiz gibt es in kaum einem Land. Es ist in den meisten Ländern immer noch eine Politik des unsystematischen Durchwurstelns. Seit Jahren sind die opaken Führungsriegen immun gegen die Realität. Noch immer ist Afrika der einzige Kontinent, auf dem die Lebenserwartung sinkt.Bei dem ungebremsten Bevölkerungswachstum stellt sich der Autor auf die Seite z.B. von Véronique Riches-Flores (Societé Générale), die sagt "Afrika bezieht die am schnellsten wachsenden demographischen Dividenden der Welt". (S.92). Allein in Nigeria werden jedes Jahr mehr Kinder geboren als in der gesamten EU. Kein Arbeitsmarkt der Welt kann solche Mengen auffangen. Seit Jahren sind sich sachkundige Beobachter Afrikas einig, dass die vielen Kinder die Armut verschärfen. Der Niger hat bespielsweise eine Fertilitätsrate von fast 7 Kindern pro Frau. Die Bevölkerung könnte nach UN-Schätzungen von derzeit 20 Millionen bis auf 70 Millionen im Jahr 2050 ansteigen. Wer sich die Geografie und Landschaft des Landes genauer anschaut, weiß, dass das zu Problemen führen muss.Durch das Buch zieht sich wie ein roter Faden, dass deutsche Unternehmer eine große Chance auslassen, wenn sie sich nicht in Afrika engagieren....."will die deutsche Wirtschaft ihre Rolle in der Weltwirtschaft halten...ist sie auf den Boom in Afrika angewiesen" (S.85/260). "Afrika steht erst am Anfang einer Geschichte, die eine größere Erfolgsstory als Asien werden kann" (S.267) Wer auf solche Erfolgsmeldungen vertraut sollte sich fragen, warum langjährige Afrika-Korrespondenten großer europäischer Zeitungen, die in Afrika leben, diese Stories mit der Realität widerlegen.Die großen Märkte existieren zweifellos, aber oft sind Zugang und Entwicklung verbarrikadiert. Es liegt immer an den politischen Akteuren. Politische Instabilität, Sicherheitsprobleme und Gesundheitsrisiken schrecken ab. Hohe Bestechungsgelder und stundenlange Wartezeiten an Kontrollpunkten bremsen den Handel. Es blüht der Schmuggel. Waren, Menschen und Kapital können sich nicht frei über Grenzen bewegen, die Regierungen konkurrieren anstatt zu kooperieren. Aufgrund der politischen Konflikte handeln viele afrikanische Länder heute mehr mit Europa, China oder den USA als mit ihren direkten Nachbarn. Die größten Chancen Afrikas bestehen, wenn der afrikanische Binnenmarkt besser entwickelt wird. Der Handel zwischen den afrikanischen Ländern liegt bei gerade einmal 11,3 Prozent des afrikanischen Gesamthandels. (Zum Vergleich Asien 50 Prozent und Europa 70 Prozent).Warum wohl sind nur 17 von 3,8 Millionen deutschen Unternehmen in Kenia aktiv? Erst 2,8 Prozent aller Handelsimporte – überwiegend Fahrzeuge – stammen aus Deutschland. Die meisten Unternehmen verkaufen ihre Produkte, nur Beiersdorf lässt vor Ort produzieren. Der Handel Deutschlands mit den Staaten südlich der Sahara bewegt sich derzeit bei den Exporten auf dem Niveau des Wirtschaftsaustauschs mit Dänemark. 

Laut Bundesbank-Statistik gibt es nur etwas mehr als 9 Milliarden Euro Direktinvestitionen aus Deutschland in Afrika, das ist gerade einmal rund ein Prozent aller deutschen Direktinvestitionen auf der Welt. Etwa 800 Unternehmen mit deutschem Kapital sind in Afrika aktiv. Der Entwicklungsforscher Jann Lay vom GIGA-Institut für Afrika Studien in Hamburg meint, dass aus Sicht der Unternehmen lohnenswerte Projekte fehlen, bei denen das Verhältnis von Chance und Risiko stimmt.Es gibt durchaus vielversprechende Entwicklungen, vor allem in kleinen Ländern wie Ruanda, Botswana, Mauritius, Senegal, Seychellen, Namibia. Das sind Länder, die gezielt daran arbeiten, die Rahmenbedingungen für Investoren zu verbessern. In diesen Ländern gibt es zupackende Regierungen, die das System wirklich reformieren wollen. Es gibt Geschäftschancen für beratende Ingenieurbüros, für Lieferungen und Investitionen im Transport und Infrastruktursektor, im Energiesektor (erneuerbare und dezentrale Energietechnik), in der Landwirtschaft (u.a. Landmaschinen), Wasser/Abwasser, Medizintechnik und Nahrungsmittel. Energieeffizienz-Technologien, CO2-Minderung und Klimaschutz können hohe Wirkungen entfachen. Einige Unternehmen – wie zum Beispiel das Bauunternehmen Bilfinger, Maschinenhersteller wie Liebherr oder Ingenieursbüros wie Lahmeyer – sind bereits seit Jahrzehnten mit Geduld und Fingerspitzengefühl erfolgreich in Afrika aktiv. Erfolgreich sind die Firmen, wenn sie Fachkräfte für die Bedienung und Wartung in dem Land ausbilden. Afrika ist kein Markt, auf dem Investoren mit raschen Erfolgen rechnen können. Bei Ausschreibungen von größeren Projekten ist es meist sinnvoll, sich bei erfahrenen Unternehmen als Sublieferant einzubringen.Positiv ist die Beschreibung einer jungen Unternehmergeneration (S.99 ff). Bei Alfred Mutua (S.71) wäre ich allerdings vorsichtig. Mit 20 Jahren gründete er sein erstes Unternehmen, "Golden Dreams Company Ltd." Er gründete die christliche Zeitung "Golden Times" und hatte die Show "How to be rich" im kenianischen Fernsehen. Mit dem Traum vieler Kenianer wurde der Multimillinär. 2004 wurde er Politiker und Sprecher der kenianischen Regierung und 2013 Gouverneur von Machakos County. Als Sprecher der kenianischen Regierung kritisierte er 2006 den US Präsidenten Obama, der die Korruption in Kenia anprangerte: " Obama is an unintelligent junior Senator from Illinois who ist yet to mature" (noch nicht ausgereift). Heute gibt sich der umtriebige "Golden Boy" von Kenia als ehrlicher, integrer Unternehmer und Politiker.Prominente Vorzeigeunternehmer wie Mo Ibrahim (S.110) und Aliko Dangote (S.115) dürften auch in Deutschland bekannt sein. Allerdings investiert Mo Ibrahim kaum noch in Afrika. 
Auf dem Africa CEO Forum in Genf im März 2015 erklärte Mo Ibrahim, dass er in vielen afrikanischen Ländern seine Investitionstätigkeit eingestellt hat. Er wies auf den Nachholbedarf im politischen Bereich hin. Regierungsvertreter müssten leichter zur Rechenschaft gezogen werden können, um die Korruption einzudämmen. Mo Ibrahim kennt die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Afrika sehr gut. Er vergibt den sehr angesehenen Preis für gute Regierungsführung.

 2009, 2010, 2012, 2013, 2015, 2016 hat die Jury niemanden gefunden, der das Preisgeld verdient hätte. Die Stiftung bewertet mit dem „Ibrahim Index of African Governance“ jährlich alle 55 Staaten des Kontinents. In den genannten Jahren hat der Think Tank in seinem Bericht nur „minimale Verbesserungen“ bei der guten Regierungsführung festgestellt. Im Februar 2018 hat die Jury bekannt gegeben, dass für 2017 die Friedensnobelpreisträgerin (2011) Ellen Johnson-Sirleaf (74) als erste Frau ausgezeichnet wird. Sie wurde zwar kritisiert, dass sie als Präsidentin von Liberia (2006-2018) die Korruption tolerierte, ihre Regierungsführung sei jedoch trotz der schwierigen Umstände nach dem Bürgerkrieg bemerkenswert gewesen (her leadership had nevertheless been exceptional under difficult circumstances following a generation of civil war).Auf Seite 129 schreibt der Autor "Ist es nicht seltsam, dass der Wettstreit um Afrikas Biermärkte ohne die Biernation Deutschland stattfindet, dass keine einzige deutsche Brauerei noch nicht einmal mit einer Lizensbrauerei in Afrika vertreten ist? Na ja, der Sauerländer Brierbrauer Warsteiner hat viele Jahre in Douala/Kamerun sein Bier unter dem Namen "Isenbeck" gebraut und sehr gut und teuer verkauft. Reklametafeln in Kamerun zeigten 2008 neben dem deutschen Bier Isenbeck eine von Deutschen zu Kolonialzeiten errichtete Brücke, die noch heute benutzt wird (Slogan: „Serieux, durable, sur… confiance aux allemands!“ /Ernsthaft, dauerhaft, zuverlässig… Vertrauen in die Deutschen). Wegen der Rechtsunsicherheit und Korruption in Kamerun wird das Bier inzwischen in Lizens von den Franzosen gebraut.