Read Glaubenswächter: Katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum by Peter Hertel Online

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Title : Glaubenswächter: Katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum
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ISBN : 3429022797
ISBN13 : 978-3429022792
Format Type : PDF
Language : Deutsch
Publisher : Echter Auflage 1 2000
Number of Pages : 216 Seiten
File Size : 874 KB
Status : Available For Download
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Glaubenswächter: Katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum Reviews

  • Thomas Wystrach
    2018-10-25 03:34

    "Wenn jene sagen: 'Wie lange noch die gleiche Kritik?', so antworte ich: 'Wie lange macht ihr immer wieder die gleichen Fehler?'" - dieses Zitat des römischen Philosophen Seneca illustriert die Motivation von Peter Hertel, sich so ausdauernd mit den Spielarten des katholischen Fundamentalismus zu beschäftigen. Seit vielen Jahren beschreibt der Theologe und Journalist (Publik, später NDR) die "heiligen Ziele und unheiligen Geschäfte des Opus Dei", veröffentlicht geheimgehaltene Dokumente und deckt den Einfluß dieser "pressure group" auf Entscheidungen in der katholischen Kirche auf. Bei seinen Recherchen ist er immer wieder auf Querverbindungen zwischen Gruppen und Verbänden gestoßen, die sich als sogenannte "Neue geistliche Gemeinschaften" oft der Gunst höchster Kirchenkreise erfreuen. In seinem Buch "Glaubenswächter" will Hertel "jenseits von Apologetik und Polemik (…) psychologische Hintergründe, Anbindung an hohe Instanzen, kirchenpolitische Allianzen, theologische Ziele und finanzielle Fundamente" solcher Gruppen darstellen.Im ersten Teil des Buches werden fünf Stationen seines "Erkundungspfades" zu den Bewegungen und Institutionen in Rom vorgestellt: neben dem bereits vor über 70 Jahren gegründeten "Opus Dei" erläutert Hertel Hintergründe und aktuelle Entwicklungen in Gruppen wie "Communione e Liberazione", "Neokatechumenaler Weg" oder die "Initiativkreis katholischer Laien und Priester", die alle nach dem Zweiten Weltkrieg, zumeist sogar erst als Reaktion auf das Zweite Vaticanum entstanden sind. Angesichts der "Erosion des Christentums" in den westlichen Ländern, besonders aber nach der (aus traditionalistischer Sicht) "allzu progressiven Entwicklung" der katholischen Kirche nach dem Konzil verfechten diese Gemeinschaften den totalen Gehorsam gegenüber dem Papsttum. "Rechtgläubigkeit" wird gemessen am Einsatz für vorkonziliare liturgische Formen (lateinische Messe, Mundkommunion), besonders aber für die traditionelle Marienverehrung.Nach der "Besichtigung" in Rom wendet sich Hertel dann im zweiten Teil dem "Feldlager im deutschsprachigen Raum" zu. Während man der verlorenen gesellschaftlichen Bedeutung und dem politischen Einfluß der Kirche nachtrauert, kritisieren viele Gruppen gleichzeitig das gewachsene Staat-Kirche-Verhältnis in Deutschland. Dies manifestiert sich besonders in der heftigen Auseinandersetzung um die Abtreibung, bei der diverse "Lebensrechts-Gruppen" mit massivem Druck auf Politik und Kirche hervortreten. Auf rund 100 Seiten gewährt Hertel Einblick in die Ergebnisse seiner langjährigen Recherchen. Durch ausführliche Schilderungen von international tätigen oder auf den deutschsprachigen Bereich beschränkten Institutionen und Gruppen entsteht ein anschauliches Panorama der traditionalistisch-fundamentalistischen Szene, "fromme Allianzen trotz einiger Differenzen" werden deutlich. Hertel nennt auch Namen von "Kämpfern im Heerlager", die sich gegenseitig unterstützen und weiterempfehlen, Adelige und Professoren, CDU-Politiker, Juristen und Ordensleute, die immer wieder auftauchen. Hilfreich für die Nutzung als "Nachschlagewerk" wäre allerdings neben dem ausführlichen Personen- auch ein Sachregister der vorgestellten Gruppen gewesen.Hertel verzichtet auf Dramatik und populäre Dämonisierung, hält z.B. die "politischen Verschwörungstheorien, die man hierzulande gelegentlich über das Opus Dei hört, [für] unhaltbar" und warnt vor Pauschalurteilen. Statt dessen sieht er in den neuen Gemeinschaften eine kritische Anfrage an die Kirche, eine Herausforderung an alle, zu prüfen, "ob sie etwa das berühmte 'Aggiornamento' zur bloßen Anpassung verkommen lassen". Alternative zu fundamentalistischen Engführungen ist also keine "postmoderne Beliebigkeit", sondern eine "beflügelnde Utopie": "gefordert ist auch der Widerstand gegen unglaubwürdige Bindungen der Kirche an Macht und Kapital, gegen inquisitorischen Zwang und blinden Gehorsam".

  • None
    2018-11-10 06:45

    Wer wissen will, wer in der katholischen Kirche der deutschsprachigen Länder zu den Fundis mit engen Beziehungen zum Vatikan gehört, sollte das Personenregister in diesem Buch lesen. Aber auch Institutionen wie Neokatechumenat, Opus Dei, Engelwerk, Juristenvereinigung Lebensrecht, Radio Horeb und Kirche in Not/Ostpriesterhilfe werden exakt und kompetent beschrieben, und zwar anhand ihrer eigener Veröffentlichungen. Der Autor schreibt amüsant, manchmal in kriminalistischem Scharfsinn. Besonders interessant ist die Liste der 75 Adeligen.

  • Benedikt
    2018-10-22 08:49

    Sehr übersichtlich gegliedert ist dieses Buch, das eine Analyse über die katholische Traditionalistenszene verspricht. Zunächst wird ein Abriß geliefert, dann werden Gruppen und Personen einzeln beschrieben.Wer jetzt eine umfassende Analyse von Gruppen erwartet, die das 2. vatikanische Konzil ablehnen, liegt ziemlich falsch. Über die Lefebvrianer findet sich einige kurze Abschnitte, gar nichts läßt sich finden über die Altgläubigen und diverse andere Gruppen. Überhaupt hat mich Hertels Definition von Traditionalisten sehr verwundert. Wie kommt es, dass in dem Buch Personen wie Kardinal Lehmann oder Kardinal Degenhardt, aber auch Gruppen wie die Fokolare, die sich sehr für den interreligiösen Dialog einsetzen, zu finden sind. Auch ist Hertel mit seiner Analyse schon bei Herausgabe des Buches veraltet, viele Gruppen und Personen, die in das vielleicht als papsttreu zu bezeichnende Spektrum passen würden, werden schlicht weggelassen. Das mag vielleicht daran liegen, dass Hertel selbst ein Außenstehender ist, der die wirklichen Zusammenhänge kaum überschauen kann. Hertel hat beispielsweise einige Artikel in der Imprimatur, einer Zeitschrift von Wir sind Kirche Aachen veröffentlicht, kein so guter Ausgangspunkt für eine objektive und umfassende Analyse.Alles in allem würde ich nicht zu einem Kauf raten, allerdings ist zu bedenken, daß Peter Hertels Buch von der Thematik her ein Unikat ist.