Read Kaiser Friedrich II. (1194-1250): Herrscher, Mensch, Mythos (Urban-Taschenbücher, Band 618) by Hubert Houben Online

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Der staufische Kaiser Friedrich II 1194 1250 , der ber das deutsche Reich und das Regnum Sicilie herrschte, entwickelte in S ditalien ein zentralistisches Staatswesen, das die Geschichte Deutschlands und Italiens nicht unwesentlich beeinflusst hat Die Nachwelt ist bis heute fasziniert von seinem Interesse an den Naturwissenschaften, an philosophischen und theologischen Grundsatzfragen sowie von seinen beeindruckenden Bauten, vor allem Castel del Monte Seine Sympathie f r Judentum und Islam sicherte ihm die Wertsch tzung moderner Betrachter, wurde von seinen Zeitgenossen aber mit sehr gemischten Gef hlen wahrgenommen Unter ihm erreichte die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papsttum ihren H hepunkt Die p pstliche Propaganda verunglimpfte ihn als Ketzer und Antichrist, er selbst lie sich als Friedensf rst und Messiaskaiser feiern Auf dem neuesten Stand der Forschung wird in diesem Buch ein anschauliches Bild von Friedrich II gezeichnet....

Title : Kaiser Friedrich II. (1194-1250): Herrscher, Mensch, Mythos (Urban-Taschenbücher, Band 618)
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ISBN : 3170186833
ISBN13 : 978-3170186835
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Kohlhammer W., GmbH Dezember 2007
Number of Pages : 262 Seiten
File Size : 686 KB
Status : Available For Download
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Kaiser Friedrich II. (1194-1250): Herrscher, Mensch, Mythos (Urban-Taschenbücher, Band 618) Reviews

  • I.C.
    2019-01-06 14:00

    Der Stauferkaiser Friedrich II. gehört zu den bekanntesten Herrschern des Mittelalters. Zeitgenossen und Nachwelt sahen in ihm eine überlebensgroße, einmalige und unvergleichliche Gestalt, vereinte er doch in seiner Hand die deutsche Königswürde, das Kaisertum und die Herrschaft über das von seinen normannischen Vorfahren geerbte Königreich Sizilien. Unter Friedrich II. erreichte das staufische Haus den Höhepunkt seiner Macht. Dieser Höhepunkt trug den Keim des Niedergangs aber bereits in sich. Erfolg und Scheitern, Triumph und Tragik lagen in Friedrichs Leben nahe beieinander. Die langwierigen, erbittert ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und dem Papsttum leiteten den Untergang der Staufer ein. Friedrichs Söhne und Enkel scheiterten einer nach dem anderen bei dem Versuch, sich gegen die Feinde der Familie zu behaupten und die deutsche Königswürde, das Kaisertum und die Herrschaft über Sizilien zu behalten oder wiederzuerlangen. Kaum zwanzig Jahre nach dem Tod des Kaisers war das staufische Haus erloschen.Der Kontrast zwischen Machtentfaltung und Machtverfall erklärt einen Großteil der Anziehungskraft, die bis heute von Friedrich II. und den späten Staufern ausgeht. Als Herausforderer des Papsttums und der oberitalienischen Städte, als Wanderer zwischen der nordalpinen und der mediterranen Welt, als Förderer der Wissenschaften, als Verfasser des legendären Falkenbuches ("Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen") hat Friedrich II. vor allem deutsche und italienische Historiker immer wieder fasziniert. Nur wenige mittelalterliche Herrscher haben in moderner Zeit so oft einen Biographen gefunden wie der Staufer. Als historisch interessierter Laie hat man deshalb die Qual der Wahl: Zwischen fach- und populärwissenschaftlichen Büchern, zwischen sachlich-nüchternen Darstellungen und solchen, die Friedrich II. zur Ausnahmeerscheinung stilisieren, zu einem Herrscher, der seiner Zeit weit voraus gewesen sei. Ein Meilenstein der Friedrich-Biographik ist das zweibändige Werk von Wolfgang Stürner (Darmstadt 1992/2000). Wem diese eher an Historiker gerichtete Biographie zu umfangreich und zu anspruchsvoll ist, dem sei als Alternative der vorliegende, durchweg gut lesbare Band von Hubert Houben empfohlen. Er eignet sich bestens als Einstiegslektüre.Kein anderer deutschsprachiger Historiker kennt die Geschichte des Königreiches Sizilien in normannischer und staufischer Zeit so gut wie Houben. In seinem Buch, das vergleichsweise schmal ist, aber dennoch alles Wichtige und Wesentliche über Friedrich II. vermittelt, verbinden sich souveräne Sachkenntnis und eine klare, verständliche Darstellungsweise. Die Biographie ist in drei Teile gegliedert. Zunächst behandelt Houben die politische "Laufbahn" und die Herrschaft Friedrichs II., angefangen bei der elternlosen Kindheit und Jugend unter päpstlicher Vormundschaft über die Wahl zum Römischen König, die Kaiserkrönung, den Kreuzzug ins Heilige Land und die friedliche Rückgewinnung Jerusalems bis hin zum ersten Zusammenstoß mit dem Papsttum unter Gregor IX. Die ereignisgeschichtlichen Passagen werden unterbrochen von Abschnitten über Friedrichs Herrschaft im Königreich Sizilien. Nur dort konnte der König und Kaiser seine Vorstellungen von einer starken Krongewalt, straffer Zentralisierung und rationaler Verwaltung durchsetzen. Die prosperierenden oberitalienischen Städte widersetzten sich hingegen allen Versuchen, die kaiserliche Macht zu Lasten der kommunalen Selbstverwaltung zu stärken. Nördlich der Alpen, im deutschen Reichsteil, akzeptierte Friedrich II. den Aufstieg der Landesfürsten und die Verlagerung von Herrschaftskompetenzen auf die Ebene der Territorialstaaten, ein Prozeß, der Houben zufolge bereits zu weit fortgeschritten war, als dass der Kaiser ihn hätte rückgängig machen können.Dreh- und Angelpunkt in Friedrichs Leben war der Konflikt mit dem Papsttum, der 1239 wieder aufflammte und bis zum Tode des Kaisers 1250 nicht gelöst werden konnte. Der Anspruch der Päpste, über dem Kaiser zu stehen, erschien Friedrich II. als anmaßender Angriff auf die Kaiserwürde, der unbedingt zurückgewiesen werden mußte. Der publizistisch und militärisch ausgetragene Streit, in den auch die oberitalienischen Kommunen hineingezogen wurden, gipfelte im Versuch Papst Innozenz' IV., den bereits exkommunizierten Kaiser von einem in Lyon versammelten Konzil absetzen zu lassen (1245). Eine durchschlagende Wirkung erzielte dieser Schritt ebenso wenig wie die rabiate päpstliche Propaganda, die Friedrich als Antichristen verteufelte. Als der Kaiser im Dezember 1250 starb, war das Ringen zwischen Kaisertum und Papsttum noch keineswegs zugunsten einer der beiden Seiten entschieden. Friedrich vererbte den Konflikt an seine Söhne, die schließlich dem Papsttum und anderen Feinden unterlagen. Houben erkennt die Leistungen an, die Friedrich im Königreich Sizilien vollbrachte (v.a. auf den Gebieten Verwaltung und Rechtswesen), zieht aber gleichwohl eine negative Bilanz der Herrschaft Friedrichs II. Der Kaiser habe in Bezug auf das Papsttum und Oberitalien unrealistische Ziele verfolgt und zu keinem Zeitpunkt die nötigen Mittel besessen, um diese Ziele durchzusetzen.Teil 2 ist dem Menschen Friedrich gewidmet. Houben erteilt jeder schwärmerischen Verklärung des Stauferkaisers eine Absage, indem er klarstellt, wie wenig über den Menschen Friedrich bekannt ist. Zu oft hat die Nachwelt ein Bild vom Wesen und von der Persönlichkeit des Kaisers entworfen, ohne auf die dürftige Quellenlage Rücksicht zu nehmen. Selbstzeugnisse aus der Hand des Kaisers sind kaum vorhanden, so dass sich seine Gedankenwelt nur ansatzweise erschließen lässt. Friedrichs Privatleben, das Verhältnis zu Ehefrauen und Mätressen, die Beziehungen zu seinen zahlreichen ehelichen und unehelichen Kindern liegen weitgehend im Dunkeln. In knappen Strichen zeichnet Houben ein Bild vom persönlichen Umfeld des Kaisers, von seinen wichtigsten Ratgebern und Vertrauten, von seiner Hofhaltung, von seinem Interesse an Wissenschaft und Literatur sowie seiner Leidenschaft für die Jagd. Houben hält sich strikt an das, was sich belegen lässt, und vermeidet phantasievolle Spekulationen.Besondere Beachtung verdient der dritte und letzte Teil. Abschließend untersucht Houben, wie Zeitgenossen und spätere Jahrhunderte den Kaiser deuteten. Selten hat ein europäischer Herrscher eine so gegensätzliche Beurteilung erfahren wie Friedrich II. Zeitgenossen und Nachwelt schwankten zwischen Verteufelung und Bewunderung. Die einen verfluchten ihn als Kirchenfeind und Antichristen, die anderen verherrlichten ihn als würdigen Nachfolger des biblischen Königs David. Das 18. und das 19. Jahrhundert stilisierten Friedrich II. zum vermeintlichen Vorkämpfer der Reformation, der Aufklärung, der Einigung Italiens. Mit dem historischen Friedrich hatten alle diese anachronistischen Zuschreibungen wenig gemein. War Friedrich II. tatsächlich die Ausnahmeerscheinung, die viele Bewunderer in ihm gesehen haben? Houben verneint diese Frage. Er vergleicht den Kaiser mit anderen Monarchen des 13. Jahrhunderts, etwa Alfons X. von Kastilien und Jakob I. von Aragón, und kommt zu dem Schluss, mit seiner Herrschaftsauffassung und seiner Herrschaftspraxis sei Friedrich II. seiner Zeit keineswegs voraus gewesen. Es entspricht dem nüchternen und sachlichen Grundton dieses ausgezeichneten Buches, dass Houben am Ende zu einer solch realistischen Einschätzung gelangt. Friedrich II. war letztlich doch "nur" ein Mann seiner Zeit und keineswegs der geniale Übermensch, den etwa Friedrich Nietzsche oder die Schwarmgeister des George-Kreises in ihm sehen wollten.